Langendorf/Gusborn (hbi) Rund 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW versammelten sich am vergangenen Samstag in einem Waldstück bei Langendorf/ Gross Gusborn, unweit des „Torii-Towers“. Gemeinsam mit Förstern und Forstbetrieben wurden verschiedene Taktikten zur Bekämpfung von Waldbränden trainiert.
Durch die anhaltenden Klimaveränderungen steigt die Gefahr durch Waldbrände immer weiter an, das erleben wir in jedem Sommer. Dabei steigt nicht nur die Anzahl der Waldbrände deutlich an, Waldbrände entwickeln sich durch die zunehmende Trockenheit der Vegetation auch wesentlich dramatischer und nehmen an Dynamik zu. Immer häufiger beobachten wir – auch in Deutschland – dass Waldbrände nicht mehr so einfach zu löschen sind.
Für die Feuerwehren und andere Akteure der Gefahrenabwehr bedeutet dies eine Verlagerung der Einsatzschwerpunkte. Feuer löschen können Feuerwehrleute, das ist essentieller Bestandteil der Ausbildung. Um Waldbrände künftig aber effektiv bekämpfen zu können, muss in erster Linie die Ausbreitung des Feuers verhindert bzw. verlangsamt werden. Und genau an dieser Stelle kommt die Feuerwehr schnell an ihre Grenzen, wie bei der Stationsausbildung des 1. Zuges der Kreisfeuerwehrbereitschaft deutlich wurde. Hier können das Technische Hilfswerk, Forstbetriebe und Landwirte wichtige Unterstützung leisten.
Riegelstellung im Wald
Eine Möglichkeit, die Ausbreitung eines Feuers einzudämmen, ist eine sog. Riegelstellung. Dabei wird der Wald vor einem Feuer befeuchtet gemacht, um dem anlaufenden Feuer die Ausbreitung zu erschweren. In der Vergangenheit wurde so eine Riegelstellung mit mehreren Strahlrohren aufgebaut, was zum einen viel Löschwasser erfordert, zum anderen aber auch eine Menge Personal bindet. Hinzu kommt die nicht zu unterschätzende Gefahr für die Einsatzkräfte, da diese Riegelstellung in Laufrichtung des Feuers errichtet werden sollte.
Die Einsatzkräfte erprobten deshalb eine neue Variante, um die Wohnhäuser am Torii-Tower vor den Flammen zu schützen – sie setzten dabei sog. Kreisregner ein. Optisch erinnern die Geräte an Rasensprenger, doch diese Kreisregner sind sehr effizient. Mit einer Wurfweite von rund 15m in jede Richtung geben sie konstant Wasser in den Wald und leisten so einen wertvollen Beitrag zum Einsatzerfolg, ohne viel Personal zu binden.
Spotfeuer und Glutnester
Gerade bei starkem Wind kommt es immer wieder zu Funkenflug. Diese Funken fliegen nicht selten mehrere hundert Meter weit und entzünden dann fernab des eigentlichen Brandgeschehens den Waldboden. Um diese sog. Spotfeuer frühzeitig zu bekämpfen, ist Schnelligkeit gefordert, eine Schnelligkeit, die im unwegsamen Gelände mit Schlauchleitungen zu darzustellen ist. Hier kommen Einsatzkräfte zu Fuß mit leichter Ausrüstung wesentlich schneller ans Ziel. Mit Löschrucksäcken und Handwerkzeugen, wie bspw. sog. „Gorgui-Hacken“ (spez. Waldbrandhacke), können diese Entstehungsbrände und auch Glutnester im Waldboden erfolgreich bekämpft werden. Auch diese Technik wurde in Langendorf geübt.
Brandschneisen anlegen – dem Feuer die Nahrung nehmen
Am effektivsten lässt sich die Brandausbreitung verhindern, wenn wir das brennbare Material entnehmen. Wenn nichts Brennbares mehr vorhanden ist, läuft sich das Feuer tot und erlischt mehr oder weniger von alleine. Straßen und Waldwege können als Brandschneisen dienen, wenn uns das Feuer den Gefallen tut und exakt in diese Richtung läuft. Passiert das aber nicht, müssen wir diese Brandschneisen selbst anlegen. Das klingt auf den ersten Blick allerdings einfacher, als es in Wirklichkeit ist – auch das ist eine Erkenntnis aus der Ausbildung am Torii-Tower.
Damit diese Brandschneisen eine wirkliche Wirkung erzielen und das Feuer nicht einfach drüber wegläuft, müssen sie eine gewisse Breite haben – der Feuerwehr fehlt hierfür das passende „Werkzeug. Beeindruckend war es deshalb, zu sehen, wie effektiv die Zusammenarbeit mit entsprechenden Großgeräten funktioniert. In diesem Fall fuhr eine Holzernte-Maschine, ein sog. Harvester, in den Wald hinein und fällte mit seinem Greifarm die relevanten Bäume und legte sie weit im Wald ab. Direkt dahinter folgte das THW mit schwerem Räumgerät – einem Radlader und hob den brennbaren Bodenbelag aus, sodass am Ende eine Brandschneise mit einer Breite von 2m aus purer Erde entstand – Erde brennt nicht.
In der Realität müsste diese Brandschneise wesentlich breiter sein, aber die Ausbildung hat eindrucksvoll aufgezeigt, wie Zusammenarbeit funktioniert und wie man gemeinsam in kurzer Zeit einen Einsatzerfolg erzielen kann.
Bäume, die der Harvester nicht greifen konnte, weil sie bspw. noch zu klein waren, hat der Radlader kurzerhand umgeschoben. Einsatzkräfte mit Motorsägen übten parallel Sägearbeiten unter verschiedenen Bedingungen.
Besonders eindrucksvoll war in diesem Fall auch die personelle Stärke des THW aus Lüchow: mit insgesamt vier Radlader-Maschinisten rückten die Kameraden an diesem Tag an. Diese Personaldichte sorgte zum einen dafür, dass der Radlader im Schichtbetrieb 24 Stunden lang eingesetzt werden kann, zudem sind alle Fahrer für den Einsatz unter Atemschutz ausgebildet und können so auch mit Atemschutzgerät den Radlader bedienen.
Ein großes Dankeschön geht an die Ortsfeuerwehr Mützingen für die hervorragende Ausarbeitung des Übungstages, aber auch an das Technische Hilfswerk und die Forst für die tolle Zusammenarbeit.
Bilder:
Birte Schulz, THW OV Lüchow-Dannenberg
Tanja Spranz, FF Mützingen
Sven Jokuff, FF Mützingen
Heiko Bieniußa, Kreisfeuerwehr






