Lüchow (sj/hbi) Wenn Schadenslagen größer und komplexer werden, braucht es neben den Einsatzkräften vor Ort eine leistungsfähige Führungsorganisation. Zu Beginn eines Einsatzes findet diese Führungsorganisation vor Ort im Einsatzleitwagen statt. Dort wird das Einsatzgeschehen dokumentiert, ein Lagebild erstellt und die gesamte Kommunikation abgewickelt.
Dauert ein Einsatz bspw. länger, kann der Einsatzleiter über seinen ELW auch Verpflegung für die Einsatzkräfte organisieren, Personalreserven anfordern u.ä. Mit zunehmender Dauer und Ausbreitung des Einsatzgeschehens reicht diese Unterstützung aber nicht mehr aus. Genau hier setzt die Technische Einsatzleitung (TEL) des Landkreises Lüchow-Dannenberg an. Sie unterstützt die Einsatzleitung bei Großschadenslagen und Katastrophen, bewertet die Lage, plant den Einsatz von Kräften und Einsatzmitteln, dokumentiert den Einsatzverlauf und koordiniert die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Damit schafft sie die Voraussetzungen dafür, dass auch in außergewöhnlichen Lagen zielgerichtet und effizient gearbeitet werden kann.
Personell, technisch und organisatorisch befindet sich die TEL derzeit in einer spannenden Weiterentwicklung. In den letzten Jahren ist viel neues Personal hinzugekommen und wird noch hinzukommen. Aus einer reinen Feuerwehreinheit soll eine „bunte TEL“ werden, in der alle Akteure der Gefahrenabwehr vertreten sein sollen. Technisch wurde mit der neuen Stabssoftware „CommandX“ die landesweit einheitliche Führungs- und Stabssoftware Niedersachsens eingeführt. Sie unterstützt die Lageführung, Dokumentation und Einsatzplanung und erleichtert die Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen und Behörden durch ein gemeinsames digitales Lagebild.
Damit diese Unterstützung effektiv und effizient funktioniert, sind die Aufgaben in einer TEL klar definiert, jede Einsatzkraft muss genau wissen, welche Aufgabe er/sie hat und vor allen Dingen muss Klarheit darüber herrschen, welche Aufgabe man NICHT hat. Diese Abgrenzung ist im Einsatzfall nicht immer auf den ersten Blick klar ersichtlich und so besteht die Gefahr, dass sich gleich mehrere Menschen mit einer Aufgabe befassen, oder – was noch schlimmer ist – sich niemand mit einer Aufgabe befasst, ganz nach dem Motto „das machen ja andere“.
Um diese „Trennschärfe“ weiter zu schulen fand am Wochenende eine externe Schulung der TEL-Angehörigen statt. Der Landkreis beauftragte hierzu ein externes Beratungsunternehmen, die sich auf die Aus- und Weiterbildung von technischen Einsatzleitungen und Katastrophenschutzstäben spezialisiert haben. Die Dozenten kommen allesamt aus der Praxis und bringen jahrelange Erfahrung in der stabsmäßigen Bewältigung von Großschadens- und Katastrophenlagen mit, waren z.B. auch bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Einsatz.
Wir organisiert sich eine TEL? Welche operativ-taktischen Aufgaben haben die einzelnen Sachgebiete in der TEL? Wo und wie grenzen sich diese Sachgebiete zu den anderen Sachgebieten hin ab? Wo ist die Trennung zwischen der TEL und dem Katastrophenschutzstab und welche Arbeit wird in den Einsatzabschnitten erledigt? All diese Fragen wurden am Freitagabend beantwortet, bevor dann am Samstag das Erlernte in der Praxis geübt wurde.
Besonders interessant war das Thema „Lagebesprechung“. Damit alle Angehörigen der TEL den gleichen Kenntnisstand haben, müssen diese regelmäßig durchgeführt werden. Während der Besprechung ruht die Arbeit in den Sachgebieten, der Einsatz draußen geht aber weiter – daher ist es besonders wichtig, dass diese Besprechungen kurz und knapp gehalten und trotzdem alle Informationen weitergegeben werden. Hier ist kein Raum für Diskussionen.
Rund 30 Angehörige der TEL Lüchow-Dannenberg erlebten ein lehrreiches Wochenende und konnten mir vielen neuen Eindrücken nach Hause fahren. In den nächsten Monaten wird es darum gehen, das erlernte zu festigen und im praktischen Betrieb umzusetzen.






